Ich kaufe mir eine Alarmanlage, dann kann nichts passieren – Denkste!

Herzlich willkommen zu einer Beitragsserie, die es Euch auf einfache Art ermöglichen soll, Euer Domizil gegen ungebetenen Besuch von Einbrechern zu sichern.

Bevor Ihr jetzt also losrennt und eine vielleicht sogar für Euch ungeeignete Alarmanlage kauft, möchte ich zuerst mit dem größten Mythos schlechthin aufräumen. Nein, eine Alarmanlage schützt Euch nicht vor Einbrechern. Also… naja… ein bisschen vielleicht doch. Alarmanlagen werden „richtig“ als Einbruchmeldeanlagen (EMA) bezeichnet. Und hier erkennt Ihr bereits: die Dinger heißen nicht Einbruchverhinderungsanlage. Sie verhindern keinen Einbruch, sie melden ihn aber, wenn er tatsächlich einmal stattfindet. Da sich Alarmanlage besser schreibt und liest, bleibe ich einfach bei diesem Begriff.

Über den Sinn und Unsinn einer Alarmanlage komme ich aber erst in einem späteren Teil dieser Serie zu sprechen.

Ohne Konzept geht es nicht

Am allerwichtigsten ist ein sinnvolles Konzept um Euer Zuhause sinnvoll zu sichern. Um zu definieren, was zu machen ist, muss man seine Schwachpunkte kennen. Und glaubt mir: davon gibt es oft reichlich.

Einbrecher möchten verständlicherweise unerkannt und vor allem unbemerkt bleiben. Je länger sie für das Eindringen in die Wohnung / das Haus brauchen, um so gefährlicher wird es für sie, entdeckt zu werden. Polizei und Sachverständige sprechen von etwa zwei Minuten, in denen die Einbrecher sich Zutritt verschaffen können. Dauert es länger, wird der Einbruchversuch in der Regel abgebrochen. Also müssen WIR zwei Minuten „überleben“.

Genau so wichtig ist das Erkennen der Stellen, die bei Euch für Einbrecher interessant für den Einstieg sind. Terrassentüren auf der Rückseite, Kellertüren oder auch die Fenster im Erdgeschoss sind so die Favoriten. Diverse Tests haben gezeigt, dass der „normale“ Haushalt innerhalb einer Minute geknackt werden kann. Aber auch die Wohnungstür in einem Mehrfamilienhaus ist ein alltägliches Einfallstor für Einbrecher. Also ran an EURE Schwachstellen!

Die Wohnungstür

Sei es die Wohnungstür im Mehrfamilienhaus, oder die Hauseingangstür im Reihenhäuschen… von Hause aus sicher sind die wenigsten. Hier gibt vielfältige Möglichkeiten, den Widerstand zu erhöhen.

Schließzylinder Janus

Quelle: www.schloss-profi.com

Wirklich empfehlen kann ich, Profilzylinder in Verbindung mit einem Sicherheitstürbeschlag zu verwenden. Der Schließzylinder sollte einen Schutz gegen sogenanntes „Picking“ bieten, wenn gleich auch hier keine Garantie gegeben werden kann. Mit der richtigen Technik und Ausdauer ist nahezu jedes Schloss zu öffnen. Unser Vorteil an dieser Stelle ist, dass die heutigen Einbrecher auf eine „schnelle Nummer“ aus sind. Schnell rein und wieder raus und nur mitnehmen, was sich einfach transportieren und verticken lässt. Werkzeug Nummer Eins ist daher der Kuhfuß, gefolgt vom großen Schraubendreher zum Aufhebeln. Hier erkennt Ihr den nächsten Ansatz, um Zeit und somit Sicherheit gewinnen.

Türbeschlag ABUS

Quelle: ww.ABUS.com

Der Sicherheitstürbeschlag erschwert das legendäre „Knacken“durch Wegbrechen des Schließzylinders und auch das legendäre Aufbohren wird erschwert.
Immer noch sieht man viel zu häufig, dass Schließzylinder aus dem Blech herausragen, oder aber mit einem Schließblech bündig abschließen, welches man von außen abschrauben kann. Ganz toll…. dauert keine 30 Sekunden und die Tür ist offen. Ich will jetzt nicht erklären wie, aber selbst ich als Ungeübter habe das einmal ausprobiert. Und ich war erschrocken, wie einfach ich doch eigentlich mein Geld verdienen könnte.

Gut, spinnen wir jetzt das Ding mal weiter. Das Schloss ist sicher, Picking lohnt sich nicht und auch Knacken geht nicht, weil ein Sicherheitstürbeschlag den Schließzylinder schützt. Jetzt kommt der Kuhfuß ins Spiel, der Einbrecher wird anfangen zu hebeln. Die Hebelkraft wirkt auf den Schließriegel des Kastenschlosses. Dieser Riegel schiebt sich im abgeschlossenen Zustand in das Schließblech in der Türzarge. Ahnt Ihr es schon? Jo, hier lauert der nächste Zonk.

Diese Schließbleche gibt es für zwei bis fünf Euro, oder aber auch für zwanzig und mehr.

Schließblech aufgebrochen tischler-puhl_de

Quelle: Tischler-Puhl.de

Worin unterscheiden die sich dann?
Die billigen Vertreter werden mit einfachen kleinen Holzschrauben in der Türzarge verschraubt. Ratet mal, wie lange die einem Hebelversuch standhalten. Eben, nicht lange. Entweder reißen die 08/15-Schrauben einfach ab, oder die Türzarge splittert auf und die Tür ist offen.

sicherheits-schließblech sicher24_de

Quelle: Sicher24.de

Die sicheren und zugleich natürlich teureren Schließbleche werden zwar auch in der Zarge verschraubt, aber zusätzlich auch mit sogenannten Mauerankern in der Wand. Hier wird die Hebelkraft von der Zarge auf die Wand umgeleitet. Vom geübten Heimwerker nach Anleitung montiert, rupft keiner mehr Euer Schließblech raus.

Kleiner Haken an der Sache: wohnt Ihr zur Miete, so müsst Ihr vorher mit Eurem Vermieter sprechen, denn rein rechtlich gesehen greift Ihr in die Bausubstanz ein. Ein verantwortungsbewusster Vermieter wird Euch aber keine Beine stellen und sich vielleicht sogar an den Kosten beteiligen. Aber: ohne „Okay“ geht es nicht.

panzerriegel-abus riegelprofi_com

Quelle: Riegelprofi.com

Ist die Tür der einzig mögliche Zugang zur Wohnung, könnt Ihr Eure Bemühungen voll auf das Absichern der Türe konzentrieren. Um einen weiteren wirksamen Schutz gegen das Aufhebeln Eurer Tür zu schaffen, könnt Ihr einen sogenannten Panzerriegel montieren. Kennt Ihr noch die Tore bei den Ritterburgen? Um das Burgtor gegen Eindringlinge zu sichern, hat man dicke Balken quer hinter das Tor in Mauerhalterungen gelegt. Genau so funktionieren auch die Panzerriegel, nur dass man sie mit einem zusätzlichen Schlüssen von außen schließen kann. Der Riegel schiebt sich dann in zwei auf der Zarge montierte Riegelköpfe, die wie das Sicherheitsschließblech in der Mauer verankert werden.

Nachteil: diese Riegel sind teuer und nicht ganz einfach zu montieren. Aber auch hier kann der versierte Handwerker nach Zustimmung durch den Vermieter (!) in recht überschaubarer Zeit ein großes Plus an Sicherheit schaffen.

Basi Baendersicherung BS90

Quelle: Obi.de

Viele Türen lassen sich auch gut aus den Scharnieren hebeln. Da habt Ihr ein tolles Schloss, Maueranker und auch der Türbeschlag ist top…. und doch kommt man fix rein.
Gut, dass es auch hier leichte und gar nicht teure Abhilfe gibt. Da es hier um das sogenannte Türband geht, heißen die Teile Bändersicherung. Sie werden auf der Scharnierseite an der schmalen Kante der Tür montiert. Ist die Tür geschlossen, greifen die kleinen Bolzen der Bändersicherung in das Stahlband und ein Aushebeln ist nicht mehr möglich. Simpel und einfach, aber effektiv. Und einfach in der Montage.

Hat Eure Tür noch einen guten alten Briefschlitz?
Dann solltet Ihr diesen möglichst gut verschließen. Es gibt Schlingen, mit denen man sehr komfortabel und schnell durch diesen Schlitz die Klinke betätigen und in die Wohnung eindringen kann. Am besten verschließt Ihr diese Öffnung von beiden Seiten mit einem Blech oder zumindest Holzbrettchen. Verschraubt Ihr das Blech von außen, so bringt die Schrauben bündig ein und füllt dann die Schraubenköpfe mit Sekundenkleber auf. Überlackieren und fertig!

Der Exot schlecht hin, aber dank der „Geiz-ist-Geil-Mentalität“ immer noch aktuell sind die dünnen Wohnungstüren in exzellenter Leichtbauweise, die bestenfalls für das Klo geeignet sind. Hier könnt Ihr die Tür gegen Hebeln schützen wie Ihr wollt. Im Zweifelsfall gehen die Bösen Buben dank Akku-Werkzeuge einfach durch die Tür.
Da hilft nur ein auf der Innenseite reichlich verschraubtes Blech, das das Türblatt verstärkt. Ist nicht ganz billig und recht aufwändig, kann aber dünne Türen gut zusätzlich sichern.

In der nächsten Folge kümmern wir uns dann um die Fenster und auch Terrassentüren, Kellertüren und Lichtschächte.

Bildquelle Titelbild: Signalgeber von Reichelt.de