Ja, sie sind in Verruf geraten. Und das leider oft völlig zurecht. Der klassische, familiengeführte Circus hat schwer unter der Generalverurteilung hinsichtlich schlechter Tierhaltung und minderwertiger Qualität der Shows gelitten. Und doch gibt es immer noch die positiven Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist der Circus William.

Wer Kinder hat weiß, um einen Circus-Besuch kommt man nicht herum. Da kann man der Thematik noch so ablehnend gegenüber stehen… irgendwann kommt der Moment, wo man den Kids nicht mehr erklären kann, warum man da nicht hingehen will. Und so geht man halt doch hin. In der Regel wählt man den Circus, der auch die Rabatt-Gutscheine im Lädchen um die Ecke deponiert hat. Ein probates Mittel vieler kleiner Manegen, um auf sich aufmerksam zu machen und Publikum zu generieren.

Diesen Samstag war es bei uns soweit: es sollte in den Circus gehen. In den bei uns um die Ecke. Neee, den kenne ich schon, der ist nicht so toll. Aber in Teltow gastiert zur Zeit der Circus William. Letztens dran vorbei gefahren und er machte einen stattlichen Eindruck.
Online geschaut, informiert und  Rabattgutscheine ausgedruckt. Also geht es dorthin.

An der Kasse dann die Ernüchterung: unsere Gutscheine rabattieren nur Loge und Sperrsitze, die beiden höchstpreisigen Kategorien. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, denn es steht auf den Gutscheinen ja drauf. Das ist mir der Spaß dann aber doch nicht wert und wir nehmen den Rang. Für unseren Lütten und mich wechseln 26 Euro den Besitzer.

Leicht grummelig gehen wir ins Zelt, nehmen unsere Plätze ein und können es kaum erwarten, dass es los geht.

Der große Moment kommt, Manege frei und es beginnt mit einer kleinen Tanz- und Gesangseinlage. Ungewöhnlich, sorgt aber irgendwie gleich für gute Laune. Die folgenden zwei Stunden (unterbrochen von zwanzig Minuten Pause) nehmen uns in den Bann, begeistern uns und lassen vor allem mich das Gefühl des Bereuens vergessen, welches ich seit der Kasse in mir trug.

Die Tiere werden in der Vorstellung gut behandelt, nichts wird mit wirklichem Druck abgefordert. Wie auch die Artistik kommen die tierischen Showeinlagen völlig ohne Effekthascherei aus. Hier muss kein Tier durch brennende Reifen springen, oder sonst abwegige Dinge vollführen. Es ist klassische Dressur von Menschen mit Herzblut und Respekt vor dem tierischen Gegenüber.

In der Pause können dann die Besucher in die Tierschau pilgern. Gegen Extra-Taler, versteht sich. Aber dafür erhält man Einblick in die Gehege und kann sich einen schönen Eindruck davon machen, dass die Tiere gut untergebracht und verpflegt werden. Personal ist auch vor Ort und so kann man gleich noch Fragen stellen.

Am Ende muss ich eingestehen, dass der Circus William uns eine wirklich tolle Zeit bescherte und das gefühlt höhere Preisgefüge absolut gerechtfertigt ist. Der Gast bekommt wirklich viel geboten. Von Western-Show, 1001 Nacht, Drahtseil-, Stangen- und Netzakkrobatik, über Jonglieren und Clowns… es ist wirklich für jeden etwas dabei. Und stets auf handwerklich ganz hohem Niveau. Dafür vielen Dank und Hut ab!

Übrigens: es gibt keine Bilder von unserem Besuch, weil der Circus dies durch Aushang ausdrücklich nicht wünscht. Während der Raubtier-Vorstellung laufen sogar Mitarbeiter durch die Reihen und achten darauf, dass keine Handies genutzt werden.

Sollte jemand vom Circus William dies hier lesen: zwei Wünsche hätte ich dann doch noch. Bitte nehmt am Mischpult ein wenig die Höhen raus und gebt dafür einen Tick mehr Bässe rein. Eure Musik ist klasse und sollte genau deswegen „richtig gut“ klingen. Und bei 1001 Nacht konnte ich mich nicht entscheiden, wo ich hinschauen sollte: zum Feuerschlucker auf dem fliegenden Teppich, den Tieren auf dem Boden oder den Tänzerinnen auf den Treppen. Ich war echt überfordert  🙂

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Bild: Facebook-Seite Circus William

Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung durch Markennennung. Unsere Tickets haben wir selber bezahlt und seitens des Circus William gab es keine Vergünstigungen für diese Rezension.